Adding manpower to a late project makes it later. Warum?

Manches im Leben verhält sich völlig anders, als es einem der gesunde Menschenverstand glauben machen will. Ein Beispiel kam mir kürzlich vor die Nase. Ein Kollege schrieb in einer E-Mail an mich unter anderem diesen Satz: «Adding manpower to a late project makes it later.» Zu Deutsch: Zusätzliches Personal verzögert ein Projekt, das schon im Verzug ist, noch weiter.

Diese Aussage wird nach einem ehemaligen IT-Projekt-Manager von IBM, sein Name ist Fred Brooks, das Brook’sche Gesetz genannt. Mich brachte es zum Nachdenken, weil es der Intuition widerspricht. Denn diese gibt einem vor, dass zusätzliches Personal mehr Output hervorbringt und so den Rückstand eines Projekts auf den Zeitplan wettmachen kann. Doch eben, Brook sagt aus seiner Erfahrung als Projekt-Manager heraus, dass gerade das Gegenteil zutrifft. Warum ist das so?

Einarbeitungszeit bindet Ressourcen

Wir müssen genau hinschauen, was passiert, wenn ein beispielsweise fünfköpfiges Team um eine Person erweitert wird: Zunächst braucht der neue Mitarbeiter, die neue Mitarbeiterin einige Zeit, um sich in das Projekt einzuarbeiten. Das aber bindet Ressourcen der fünf bestehenden Projektmitglieder. Beispielsweise muss erklärt werden, wo welche Dokumente abgelegt sind, welche Systeme zum Einsatz kommen, wer die Ansprechpartner für welche Anliegen sind, was bisher im Projekt geschah, was der aktuelle Stand und was das Ziel ist etc. etc. Während der Einarbeitungszeit werden auch Fragen aufkommen, deren Beantwortung die Zeit von Kollegen und Projektleiter beansprucht. Und schliesslich kommt es vor, dass ein neuer Mitarbeiter manch einen Fehler produziert, wodurch das Projekt zusätzlich ins Hintertreffen gerät.

Prozesse verändern sich

Zweitens: Jeder hinzukommende Mitarbeiter verändert die Prozesse, an die sich die ursprünglichen Mitarbeiter gewöhnt haben. Die Routine wird gebrochen. Neue Abläufe müssen eingespielt werden, und zwar von allen – auch vom bestehenden Personal. Dadurch verlangsamt sich der Betrieb und der Zeitplan scheint dem Projektstatus noch weiter davonzueilen.

Kommunikationsaufwand steigt

Drittens: Die Anzahl Kommunikationswege steigt im Quadrat zur Anzahl der miteinander in Austausch stehenden Personen. Bei fünf Personen gibt es 15 mögliche Verbindungen, bei sieben Leuten 28 und bei zehn Mitarbeitenden 55. Für die Mathematiker unter Euch: Die Formel, mit der Ihr die Anzahl Beziehungen von n Leuten berechnen könnt, lautet:

Formel

Grafisch dargestellt sieht das so wie im folgenden Diagramm aus. Für das Projekt bedeutet das, dass jeder zusätzliche Mitarbeiter den Kommunikationsaufwand überproportional erhöht.

n2n

Vermutlich gibt es noch einige weitere Erklärungen für das Brook’sche Gesetz. Die hier genannten sollen aber ausreichen, um den Sinn von Fred Brooks Aussage zu erhellen. Wer noch weitere derartige Gesetze studieren will, dem empfehle ich «11 wacky laws named for people»

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