Kernige Post

Heute rutschte mir ein wonniges „Hoppla“ über die Lippen, als ich meinen Briefkasten leerte. Endlich hielt ich doch noch in Händen, was ich vor einem Jahr aus Interesse am Thema „Kernkraft“ bestellt und inzwischen als verschollen abgehakt hatte: 14 Faktenblätter, fünf Broschüren, drei Faltblätter, ein Zahlen-Daten-Fakten-Heft des „Nuklearforum Schweiz„, des Vereins, der sich der friedlichen Nutzung und Weiterentwicklung von Kernkraft in der Schweiz verschrieben hat. On-Top gab es eine Tafel Haselnuss-Schokolade von Läderach. Herzlichen Dank dafür und für die reichhaltigen Informationen, die mir so manche Wissenslücke schlossen.

Im Kontrollraum

Beispielsweise ahnte ich nicht, dass sich jedermann und jedefrau während zu den Infozentren, den Kontrollräumen und Kühltürme der Kernkraftwerke Gösgen und Leibstadt führen lassen kann. So eine Führung muss unabhängig von der politischen Gesinnung ein herausragendes Erlebnis sein – wann sonst kommt einer als Normalbürger schon in einen Kontrollraum eines KKW? Ich hoffe, überhaupt nicht!

20170608_KK_Gösgen

Ja, auch das ist die Schweiz: Das Kernkraftwerk Gösgen ist eines der fünf Kernkraftwerke, die zusammen 34 Prozent des Schweizer Energiehaushalt bestreiten.

Wohin beim GAU

Im Falle eines GAU in Gösgen oder Leibstadt wäre ich selbst betroffen, weil ich in Zürich wohne und Zürich im Gefahrenradius der KKW liegt. Vor ein paar Jahren schickte mir die Schweizer Eidgenossenschaft sogar eine Packung Jodtabletten, um im Ernstfall gerüstet zu sein. Doch ganz ehrlich: Was würdet ihr tun, wenn ihr in eurer Umgebung ein Reaktor hoppsginge? Ich würde das Weite suchen, Jodtabletten hin oder her.

Um auf Nummer sicher zu gehen, würde ich wohl über die Landesgrenzen flüchten. Nach Deutschland zum Beispiel. Dort gibt es zwar acht KKW, die zusammen 10 799 MW Energie produzieren (Stand: 31.12.2016). Doch diese Menge macht nur 13 Prozent im Energiemix unseren nördlichen Nachbarn aus, was die gefühlte Sicherheit bestärkt. Zudem ist Deutschland schon einiges weiter in Sachen „erneuerbare Energien“ als die Schweiz und so gesehen ein ziehmlich geeignetes Fluchtziel bei einem GAU.

Zum Vergleich: In der Schweiz betreiben wir fünf KKW, die nur 3 333 MW Energie pro Jahr hervorbringen und damit rund einen Drittel der Schweizer Energieversorgung bestreiten. Doch die Reaktoren sind älter und die erneuerbare Energien hinken mit Ausnahe der Wasserkraft noch etwas hinterher.

China mit nur vier Prozent Atomenergie

Diese Zahlen haben mich nun noch nicht vom Hocker respektive Bürostuhl gehauen. Doch dann fiel mein Blick auf die Daten zu China, die in der Broschüre „Kernkraftwerke der Welt“ verzeichnet sind. Sage und schreibe lächerliche vier Prozent des Energiehaushalts geht im Reich der Mitte auf Uran und Co. zurück. Sehr fortschrittlich … … meine Euphorie wurde ebenso jäh gebremst wie sich die Hoffnungen auf einen hohen Anteil erneuerbarer Energie am chinesischen Energiemix zerschlugen. Die Bilder vom Smog in Grossstädten wie Beijin tauchten auf und bewahrheiteten sich mit einem Blick in die Statistik der Bundeszentrale für politische Bildung: China zieht etwa zwei Drittel seiner Energie aus Kohle. Immerhin zehn Prozent kommen aus erneuerbaren Energiequellen. Und dieser Prozentsatz ist wiederum doppelt so hoch wie der der USA. In der Vereinigten Staaten werkeln volle 99 KKW, die rund 99 869 MW pro Jahr erzeugen. Die Energiemenge deckt einen Fünftel des Energiebedarfs der Nordamerikaner.

Läderach!

Wenn ihr bis hierher mitgelesen habt, zolle ich Euch Respekt für euer Interesse am Thema, kann aber auch verstehen, wenn dieses seine Grenzen hat. So ist es zumindest bei mir. Zahlen sind nützlich, Worte ebenfalls. Doch bei Läderach-Schokolade werde sogar ich schwach. En guete! Fortsetzung der Nuklear-Geschichte folgt.

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Eine Antwort to “Kernige Post”

  1. Kernspalter | Gut Says:

    […] habe ich euch von der kernigen Post berichtet, die ich vom „Nuklearforum Schweiz“ erhalten hatte. In der Zwischenzeit ist […]


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