Sesam, öffne dich!

Was machten unsere Vorfahren, wenn sie am Wochenende mit leerem Geldbeutel ein Glace oder einen Eistee oder ein Zug-Ticket von St. Gallen nach Zürich kaufen wollten? Ganz klar griffen sie nicht zu Plastikgeld, weil es erst später Verbreitung fand. Genausowenig zogen sie sich ein paar Scheine aus dem am nächsten gelegenen Bancomat. Denn Geldautomaten gibt es erst seit 50 Jahre!

Ein Schotte hat ihn erfunden, den Geldausgabeautomat

Zwar hatte George Luther Simjian schon 1939 eine Art Bancomat entwickelt, das Gerät aber mangels Akzeptanz bei den Leuten nach einem halben Jahr wieder abgebaut. Erst im Juni 1967 installierte der Schotte John Shepherd-Barron den ersten funktionstüchtigen Geldautomat. Das Gerät soll in Enfield Town nördlich von London bei der Barclays Bank Schecks gegen Bargeld getauscht haben und in der Bevölkerung Anklang gefunden haben.

Erster Geldautomat auf europäischem Festland in der Schweiz

In der Folge übernahm die Schweizerische Nationalbank das Konzept von Shepherd-Barron. Weitere Länder, Banken und Herstellerfirmen folgten. Und ich erinnere mich noch genau an meine Kindheit: Damals hiessen die Geräte noch „Sesam“. Also sagte man damals, vor etwa 30 Jahren: „Ich muss noch beim Sesam vorbei.“ Tönt fast ein wenig wie im Märchen von Ali Baba und seiner Schatzhöhle … obschon die Bezeichnung „Sesam“ damit wohl nichts zu tun hat, sich wohl eher auf die Software der Geldautomaten bezogen haben wird.

1 600 Geldautomaten auf eine Million Einwohner in Österreich

Heute kann die Schweizer Bevölkerung an über 7000 Bancomaten Bargeld beziehen. Damit kommen pro eine Million Einwohner rund 834 Bancomaten. Mit dieser Geldautomaten-Dichte hält die Schweiz mit beispielsweise Italien Schritt. Unsere südlichen Nachbarn verfügen über 832 Geldautomaten pro eine Million Einwohner, wie eine Infografik von Statista zeigt.

Statista_Infografik_Geldautomaten

Länder wie die Niederlande, Finnland oder Schweden haben deutlich weniger Geräte in Betrieb. Der EU-Durchschnitt von 879 Automaten auf eine Million Menschen übersteigt das Niveau der Schweiz zwar nur leicht. Klarer fällt aber der Vergleich mit Österreich aus. Dort gibt es 1 600 Geldausgabeautomaten pro Million Einwohner. Auch in Portugal, Belgien, Grossbritannien, Spanien, Deutschland liegt die Geldautomaten-Dichte höher als in der Schweiz.

Bargeldliebhaber

Heisst das nun, dass in der Schweiz im Vergleich zu anderen europäischen Staaten weniger Bargeld im Umlauf ist? Sind wir hierzulande etwa bargeldscheu? Weit gefehlt! Pro Kopf zirkulieren in der Schweiz mehr als 9 200 US-Dollar, im Euroraum nur etwa 3 600 US-Dollar und in den USA etwas mehr als 4 400 US-Dollar; die Angabe in US-Dollar dient hier nur der Vergleichbarkeit. Die Schweizerinnen und Schweizer gehören also zu den Bargeldliebhabern, wenn man so will.

Das zeigt, dass wir unserer Währung, dem Schweizer Franken, vertrauen und davon ausgehen, dass ihr Wert stabil bleibt. Zu Recht, wie ich meine und gerade in den letzten Jahren immer wieder deutlich wurde. So lohnt es sich schliesslich, immer etwas Schweizer Franken im Haus zu haben – auch wenn wir heute nicht mehr Zahlungsnot geraten wie unsere Vorfahren damals, als es noch keine Geldautomaten gab.

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