Korrektur lesen

Korrekturlesen ist langweilig, Tippfehler sind nicht relevant, solange der Inhalt passt, und ausserdem weiss heute sowieso niemand mehr so recht, welche Schreibweise richtig und welche falsch ist.

So etwa lauten die Argumente, mit denen sich Schreibende immer wieder vor Schlusskorrekturen drücken. Und ja, ich gebe zu, dass ich auch lieber Texte schreibe als sie zu korrigieren. Deshalb und weil ich von Berufs wegen oft Korrektur lesen muss, habe ich mir ein paar Strategien zurechtgelegt, die mir die Arbeit erleichtern und die ihr euch gerne abkupfern könnt.

Die Einstellung macht’s: Lerne dazu!

Jeder Text enthält Wörter oder Ausdrücke, die rechtschreiblich anspruchsvoll sind und selbst geübte Schreiber in Zweifel geraten lassen. Da hilft meist nur ein Blick in den Duden oder auf Canoo. Dafür weiss man hinterher, ob es nun «zu fünft» oder zu «zu Fünft», «von Amtes wegen» oder «von Amteswegen», «Nummer sicher» oder «Nummer Sicher» heisst. Mit anderen Worten: Man lernt! Und wer mit der Einstellung «Hey, ich will beim Korrekturlesen auch was lernen» an die Sache geht, arbeitet sicher motivierter und daher leichter als jemand, der nur auf Pflichterfüllung bedacht ist.

Schlüsselwörtern folgen

Korrekturlesen geht auch anders, als den Text vom ersten bis zu letzten Buchstaben brav durchzulesen. Stattdessen sucht ihr Euch etwa zehn Schlüsselbegriffe aus, von denen ihr wisst, dass sie im Text häufig vorkommen. Dementsprechend sollten diese Ausdrücke stets richtig geschrieben sein. Prüft also zunächst, ob dies der Fall ist, indem ihr die Suchfunktion des Textverarbeitungsprogramms nutzt.

«Mit der Schlagwort-Korrektur-Methode war ich doppelt so schnell und effektiv wie mit der klassischen Korrekturmethode.»

Geht zuerst mögliche falsche Schreibweisen durch, beispielsweise «Kundenbratung». Anschliessend sucht ihr auch nach der richtigen Schreibweise, also «Kundenberatung». Wenn immer euch die Suchfunktion einen Treffer anzeigt, korrigiert ihr nicht nur das einzelne Wort, sondern den gesamten Abschnitt, in dem dieses Wort steht. Dabei findet ihr mögliche weitere Fehler und könnt sie gleich ausmerzen.

Ich habe die Methode kürzlich getestet und eine kleine Statistik geführt. In einem über 100-seitigen Text habe ich damit innerhalb von zwei Stunden 110 Fehler eliminiert. Die anschliessende A-bis-Z-Korrektur des Textes förderte innerhalb von vier Stunden nochmals 120 Fehler zutage. Das heisst, dass ich mit der Schlagwort-Korrektur-Methode doppelt so schnell und effektiv war wie mit der klassischen Korrekturmethode.

Den Text vom Ende her lesen

Dieses Vorgehen könnt ihr auf einzelne Wörter, Sätze, Abschnitte oder ganze Texte anwenden. Beginnt einfach mit dem Schlusspunkt und lest bis an den Anfang zurück. Damit entgeht er der Versuchung, über den Text hinwegzulesen und kleinere Fehler zu übersehen. Denn ihr werdet weniger auf Inhalt und Sinn achten, dafür umso mehr auf die Syntax.

Wie war das nochmal?

In diesem Beitrag habe ich einige Beispiele von richtig und falsch geschriebenen Ausdrücken verwendet, ohne zu sagen, was denn nun gilt. Hier die Auflösung:

richtig falsch
zu fünft zu Fünft, zufünft, Zufünft etc.
von Amtes wegen von Amteswegen, von amteswegen etc.
Nummer sicher Nummer Sicher, Nummersicher etc.

 

Im Übrigen schreibt man «Korrektur lesen», wenn von einer Tätigkeit die Rede ist: «Ich lese Korrektur». Das verhält sich gleich wie bei «Ich fahre Rad». Hingegen heisst es «Korrekturlesen», wenn der Ausdruck als Substantiv gebraucht wird: «[Das] Korrekturlesen kann auch Spass machen.»

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: